Open this publication in new window or tab >>2018 (German)Conference paper, Oral presentation with published abstract (Refereed)
Abstract [de]
Phänomenologisch betrachtet antworten wir in jeder unserer Wahrnehmungen auf etwas, das uns angeht, anregt, anspricht, etc. In unserem Handeln gehen wir also auf einen Fremdanspruch ein, greifen bereits Bestehendes auf, treten in einen Dialog ein etc. Solche Responsivitäterlegt dem Handeln den Charakter eines Moderierensauf (Waldenfels 1994, 82f. und 447f.) und „Handlungen lassen sich [...] danach bewerten, ob sie den `Anforderungen einer Person oder Sache gerecht werden ́, ob sie etwas aus dem Gegebenen machen.“(Ibid., 133) In seinem Responsivitätskonzept entwickelt Waldenfels die Vorstellung, dass der Körper auch sämtliche symbolische Medien ablösen und zum alleinigen Medium werden kann(ibid., 467); er führt hierzu Polanyis Beispiel des Fahrrad fahrens und schweigendes Wissen an. Eine gegebene Herausforderung wird dann findig bewältigt und ein funktional und anschaulich schlüssiges Ergebniswird erzielt. Auch greift Waldenfels Husserls (1950, 98 und 259) Gedankenauf, dass wir unser Handeln nicht einfach zum Einsatz bringen, sondern dass sich darin auch immer etwasin Szene setzt. Ihn interessiertbesonders, inwieweit es möglich ist, sich auf Fremdes einzulassen, ohne es durch Aneignung aufzuheben.
Dieser Beitrag widmet sich dem phänomenologischen Bildungskonzept: Nach diesem wird Bildung als ebensolcher Umgang mit dem Fremden und mit Negativität verstanden(vgl. Gadamer 1972, Benner 2005, Meyer-Drawe 2008). Erkannt wird, dass im Lernen Negativität erfahrenwird, also eigenes (Noch) Nicht Wissen, eigenes Ungenügen, eine Erfahrung des (Noch) Unbekanntengemacht. Auch Gelerntes markiertjeweils eine bestimmte Form von Differenz. Fremdheit und Differenz lassen sich allerdings nur relational begreifen, ohne distinkt präzisier-bare Bedeutungähneln sie ehereinem semantischen Knoten unterschiedlicher, assoziativ ineinandergreifender Sinnebenen (vgl. Schneider 2018): Signaturen des Anderen (vs. des Eigenen), des Unbekannten, des Deplatzierten, des Unverständlichen, des Faszinierenden und Exotischen,des Unheimlichen und Unvertrauten. Weniger das Fremde selbst, als vielmehr die Relationalität von Fremdem und Eigenemsetzt sich also in unserem Handeln in Szeneund lässt sich edukativ bearbeiten; dabei ist der Dialog eine Möglichkeit unter anderen.
Keywords
Tacit Knowledge, Responsivity, Schweigendes Wissen, Responsivität
National Category
Pedagogy
Research subject
Pedagogics and Educational Sciences
Identifiers
urn:nbn:se:lnu:diva-78199 (URN)
Conference
Die 10. Tagung des Forschungsnetzwerkes Implizites Wissen (FORIM) - Dialogue Im Dialog mit der Situation: Zur Beziehung zwischen Wahrnehmen, Handeln und Entscheiden, Vienna, Austria, October 5-6, 2018
2018-10-062018-10-062018-10-26Bibliographically approved