Auch wenn allüberall von Bildung die Rede ist und vielfältige Komposita wie Bildungspolitik, Bildungsnotstand, Bildungseinrichtung, Bildungsplan etc. das schlichte Gegebensein oder auch nicht Gegebensein von Bildung suggerieren mögen, besteht zur Frage, was Bildung ist, keineswegs Konsens.
Der Bildungsbegriff ist in Diskurse und damit in Wissens- und Machtverhältnisse eingeflochten und er ist in seiner Abhängigkeit von vielfältigen Lebensbedingungen und von den Bildungsinhalten auch per se einem steten Wandel unterworfen. – In der Schule heute werden individuelle Bildungsprozesse in der Regel an ihren Outputs bemessen. Von einem bestimmten zu erbringenden Output her, so wird es europaweit gefordert, solle auch der Input bzw. sollen die in der Schule zu initiierenden Bildungsprozesse konzipiert werden. Die Annahme, dass Resultate solcher Bildungsprozesse sichtbar und messbar sind, führt zu einem zunehmend stark ausgeprägten Bemühen um deren optimale Steuerung. Zugleich wird im Zuge einer Anwendung kognitivistischer und konstruktivistischer Lerntheorien eine radikale Individualisierung des Lernens propagiert. In Anbetracht gesellschaftlicher Notwendigkeiten wird lebenslanges Lernen gefordert. Die besagte Steuerung wird also zunehmend im Sinne einer Selbststeuerung den Lernenden bzw. sich bildenden Individuen überantwortet. Übersehen wird dabei die Komplexität einer jeden Persönlichkeits- und Subjektwerdung. In dieser Buchreihe ermöglicht es die eingenommene Perspektive auf leiblich fundierte Erfahrungsvollzüge, in der Schule stattfindenden Bildungsprozessen auf die Spur zu kommen.