Günter Grass ist ein Künstler, dessen Gesamtwerk als grundlegend intermedial zu verstehen ist. Dies ist zwar vom Autor immer wieder betont, in der Forschung jedoch lange nicht hinreichend berücksichtigt worden. Erst mit Hilfe der Intermedialitätsforschung wird es möglich, auf diese für Grass selbstverständliche Arbeitsweise nicht nur hinzuweisen, sondern sie auch analytisch und interpretativ nachvollziehen. Deutlich wird, wie intermediale Bezüge zu Bild und Musik, Film und elektronischen Medien von Grass bewusst verwendet werden, um die Materialität der Sprache hervorzuheben. Medien werden als Störung eingesetzt, um Sprache und ihren Gebrauch kritisch zu hinterfragen. Besonderheiten der Prosa von Günter Grass erscheinen in einem intermedialen Kontext beschreibbar, verständlich und nachvollziehbar. Der Artikel diskutiert anhand von Beispielen aus Ein weites Feld (1995) die Bedeutung intermedialer Referenzen zur Musik und zum Bild. Zahlreiche Referenzen im Text zu Vielstimmigkeit, Chorgesang und Kontrapunkt neue Interpretationsmöglichkeiten des anfangs stark kritisierten Romans. Weiterhin wird gefragt, welche Konsequenzen Grass häufig zitierte Erklärung "eine Metapher zeichnerisch zu überprüfen" für den Text hat, indem der Romantext zusammen mit in seinem Kontext entstandenen Bildern und Zeichnungen gelesen wird. Die konkrete Bildlichkeit der Texte Grass, dient nicht nur dazu das Erzählte zu veranschaulichen sondern die Bildlichkeit der Sprache selbst zu hinterfragen.